Von der Aufopferung zum Entwicklungsbeschleuniger
- Joel Lachat
- 30. Juni 2024
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 17. Juni
Die Destabilisierung
Im Jahr 2015 schliessen sich zwei Firmen zusammen und ziehen an gleiche Adresse. Auf dem Papier die perfekte Synergie. Die Auftragslage super. Doch dann der Schock: Der Partner mit der grössten Führungserfahrung fällt von heute auf morgen krankheitshalber komplett aus.
Was folgt: Eine Firma ohne Führung, ein Vakuum, Chaos, Ineffizienzen und ein massiver Stress, der sich auf den Arbeitsalltag aller auswirkt.
2016 Beginne ich dann die Arbeit in diesem Firmenverbund ohne genau zu wissen, was mich erwartet. Ich merke schnell, wo es meine Fähigkeiten braucht und als ehemaliger Handballer, der auf Teamplay konditioniert wurde, beginnt mein Krisenmuster zu wirken: Kompensieren und noch mehr kompensieren.
Ich leiste, leiste, leiste. Mache neben dem 100% Pensum noch drei CAS und den MBA. Nicht für meinen Lebenslauf, sondern, um die Herausforderungen in dieser Organisation zu meistern. Meine Gedanken dabei: Ich schaffe das. Wenn andere die Probleme nicht sehen, dann löse ich sie alleine, bevor es explodiert. Ich bin aber nicht der einzige, der die Probleme sieht, nur der einzige, der sich traut, die Dinge beim Namen zu nennen. Uns verlassen jedes Jahr viele Mitarbeitende. 3 Jahre in Folge ist die Fluktuationsrate sogar nahe 20%! Ein grosses Problem, denn das Unternehmenswissen und die Qualität sinken. Das ist nicht der Anfang einer Teufelsspirale, sondern hier sind wir mitten drin!
Durch meine neuen Fähigkeiten darf ich natürlich auch immer mehr Verantwortung übernehmen. Irgendwann sogar als Mitglied der Geschäftsleitung. Ich bin verantwortlich für die Entwicklung der ganzen Unternehmensgruppe. Durch Zukäufe wachsen wir – von 20 auf 60 Mitarbeitende. Mein Muster: Leisten, leisten, leisten wird stärker und stärker. Die Probleme steigen und die Mitarbeitenden verlassen weiterhin in Scharen die Firma. Aufgeben gibt es als Handballer nicht. Meine Denkmuster sind immer noch stark aktiv.
Der Tiefpunkt
Dann endlich Mitte September 2020 gebe ich die Masterarbeit ab. Und ich weiss noch, als wäre es gestern gewesen. Mit der Abgabe gönne ich mir meine wohlverdienten Ferien. Endlich Sport mit Freunden. Wir nennen diese Ferien Kampf der Giganten, denn wir messen uns in allem. Fussball: Das Team, das gewinnt, kriegt 2 Punkte. Pétanque, Tichu, Squash, Badminton, Biken – überall dasselbe. Normalerweise gehöre ich in dieser Gruppe zu den stärkeren, doch dieses Mal falle ich hinten ab. Mit jedem Tag sinkt mein Energiespiegel. Nach den Ferien gehe ich unerholt zurück ins Büro. Doch damit nicht genug. Mein Energielevel sinkt weiter. Irgendwann dann Ende Oktober stabilisiert sich mein Energielevel. Aber auf einem sehr tiefen Stand. Ich möchte nicht von einem Burnout sprechen, aber ein Erschöpfungszustand, den ich mir schwor, nie wieder zu erreichen. Ich vegetiere also so vor mich hin. Mein Kopf? Nebelschwanden, Brainfog. Meine Gedanken: Komme ich noch aus diesem Sumpf raus? Ist Brainfog meine neue Realität?
Der Aufstieg
Erst im Februar 2021 finde ich einen Weg aus diesem Loch. So richtig fit fühle ich mich aber erst im Sommer 2021 wieder. Ein langes Jahr, kann ich euch sagen.
In dieser Zeit ist aber etwas wichtiges geschehen. Ich habe verstanden, was Selbstführung heisst und wie eine Firma funktioniert. Wie die Mensch, Team und Organisation zusammenspielen und wie man deren Entwicklungsdrive weckt. Selbstführung, Teamführung und Systemführung erachte ich deshalb als die wertvollsten Disziplinen für eine Organisation. Meine Wirkung auf die Organisation wird dadurch besser und besser. Ich komme weg vom Mindset: Ich sehe die Probleme und muss sie alleine lösen, hin zu einer Frage: Welche Entwicklungsschritte sind die Menschen, Teams und die ganze Organisation gerade bereit zu machen? Und wie kann ich ihnen helfen diesen Schritt zu tun? Die Firmengruppe wird stabiler und wir durchbrechen die Teufelsspirale. Im Gegenteil, wir schaffen es sogar in die Aufwärtsspirale zu kommen. Die Fluktuationsrate beruhigt sich und mehr und mehr Mitarbeitende beginnen die Arbeit bei uns zu lieben.
In dieser Zeit lerne ich meine Passion in Worte zu fassen: Ich liebe es komplexe Situationen zu strukturieren. Bei Menschen und Organisationen kann ich diese Passion ausleben, denn für mich ist es dann wie ein komplexes Puzzle, indem ich einzelne Teile studiere und kennenlerne, weiss ich, wie sie ineinander fallen.
Die Geburt des Entwicklungsbeschleunigers
2024 entscheide ich mich diese Erfahrung in der Selbständigkeit zu nutzen und vielen Schweizer KMU Lasten abzunehmen, neue Perspektiven zu ermöglichen und den Entwicklungsdrive zu zünden. Alles mit der Vision: Alle Schweizer KMU betrachten sich als Team aus Spitzensportlern. Die Firma Entwicklungsbeschleuniger ist damit geboren.
Unser Herzstück ist Aligning. Ein digitales Taktikboard, das die Selbstführung jedes Mitarbeitenden stärkt, die Teamführung vereinfacht und Transparenz in die Systemführung bringt.

Joël Lachat, Entwicklungsbeschleuniger für Schweizer KMU.



